Dokumentation | 90 min | N.N.
Mammon
Timon hat ein Problem: Während der Finanzkrise von 2008 ist er fast seine gesamten Ersparnisse losgeworden. Sein Bankberater sagt, dass das System zusammengebrochen sei, und begründet das damit, dass die Leute den Glauben an dieses System verloren hätten. Aber wie kann das sein? Timon wusste überhaupt nicht, dass „das System“ vom Glauben daran abhängt. Er hat einmal gehört, Gott existiere nur, wenn man an ihn glaubt, und obwohl Timon römisch-katholisch getauft und erzogen wurde, kommt ihm dieser Schluss längst nicht mehr abwegig vor. Und was ist mit dem Geld? Verhält es sich damit etwa genauso? Ist der Kapitalismus auch eine Art Religion?
Wir begleiten Timon dabei, wie er versucht, unser Finanzsystem zu verstehen, ein System, das wir als gottgegeben akzeptieren, in das wir alle hineingeboren wurden und auf das wir angewiesen sind, das aber die wenigsten von uns wirklich durchschauen.
Bei aller kindlichen Naivität, mit welcher der Dokumentarfilm den Versuch unternimmt, Licht ins Dickicht des Wirtschaftsdschungels zu bringen, bei allem Witz, den die Figur des Timon versprüht, bleibt dem Betrachter doch regelmäßig der Mund offen stehen oder das Lachen im Halse stecken. „Mammon“ behandelt ein brandaktuelles Thema, eine hartnäckige Krise, die sich von der Immobilien- über die Banken- und Finanzkrise zur Eurokrise ausgewachsen hat. Der Film legt den Finger in die eine oder andere bereits offene Wunde und verpflichtet sich somit auf moderne Weise einem traditionellen Ziel des Dokumentarfilms, der Aufklärung und der politischen Bildung.