Drama | 90 min | HD

HUNTING SEASON

Natalia Garagiola

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Natalia Garagiola (Buenos Aires, 1982) machte ihren Abschluss von der Universidad del Cine, wo sie später auch unterrichtete. 2004 absolvierte sie ihren Master als Drehbuchautorin an der FIA-UIMP (Spanien).

Sie hat bei drei Kurzfilmen das Buch geschrieben und Regie geführt: RINCON DE LOPEZ (2011), Veröffentlicht bei BAFICI; YEGUAS Y COTORRAS (Mares and Parakeets; 2012) feierte seine Premiere in der Semaine de la Critique (Festival de Cannes). Ihr letzter Kurzfilm SUNDAYS (2014) wurde in der Quinzaine des Réalisateurs (Festival de Cannes) präsentiert.
Zusätzlich nahm sie am Experimental Film Lab (Universidad Di Tella) teil. Ihre Videos PISTA (Track; 2007) und PLAZA (Square; 2008) wurden beide für Videoformes Video Art & Digital Cultures ausgewählt.

Ein leichter Nebel liegt über dem hellgrünen Gras eines Sportplatzes. Es ist ein eisiger Morgen in Buenos Aires. Um die hundert Kinder, im Alter von 13 bis 18, spielen dort Fußball, Hockey und üben sich im Turnen.

Plötzlich wird ihr fröhliches Beisammensein unterbrochen. Ein heftiger Streit ist zu hören. Die aufgeregten Teenager rennen quer über das Feld und bilden einen Kreis um Nahuel (17), der sich mit einem anderen prügelt. Es ist eine wilde Rauferei. Als Nahuel das andere Kind bewusstlos schlägt, jubeln die Kinder um ihn herum.

Nahuel hat vor nicht allzu langer Zeit seine Mutter verloren. Sein Stiefvater Bautista schafft es nicht, eine juristische Lösung zu finden, um das Sorgerecht zu behalten. Also muss Nahuel mit seinem leiblichen Vater Ernesto leben und zwar bis er volljährig ist. Ernesto ist Jäger und führt ein abgeschottetes Leben in einem Randbezirk von San Martin de los Andres, einer kleinen Stadt in Patagonien. Dort lebt er zusammen mit seiner schwangeren Frau Luisina und ihren vier Töchtern.

Nahuel und Bautista haben sich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Schon vom ersten Moment an, als Nahuel im Süden ankommt, zeichnet sich ab, dass die Beziehung nicht einfach wird. Nahuel verhält sich unwillig und arrogant, während Ernesto versucht, seine Routine beizubehalten, ohne sich emotional auf sein Kind einzulassen. Die Tage vergehen und die Spannungen zwischen den beiden steigen; Nahuel missachtet die Anweisungen seines Vaters entschieden, Ernestos Geduldsfaden beginnt zu reißen.

Als Nahuel eines Tages in der Familienhütte allein gelassen wird, verwüstet er sie und rennt weg. Eine ungewöhnliche und gewalttätige Auseinandersetzung mündet dann aber schließlich in einer Freundschaft mit Kindern aus dem Ort. Betrunken und unter dem Einfluss von Drogen wandert Nahuel ohne ein klares Ziel umher. 

Ernesto findet ihn schließlich, schleppt ihn zu seinem Jeep und bringt ihn wieder nach Hause. Er zwingt ihn zu essen, doch Nahuel ist respektlos und weigert sich. Ernesto verliert seine Geduld und ringt seinen Sohn nieder. Der Kampf ist fair, bis Ernesto Nahuel schließlich unter seinem Gewicht ruhigstellt. Wie in einer archaischen Zeit spüren sie in dieser psychischen Auseinandersetzung zum ersten Mal ein Gefühl füreinander.

Am nächsten Morgen verlassen Luisina und die Mädchen die Stadt für ein paar Tage. Ernesto fordert Nahuel auf, ihn auf einen Jagdausflug zu begleiten. Er bringt ihm bei, mit dem Gewehr umzugehen. Es ist die einzige Tätigkeit, die Nahuels Interesse weckt. Er hat ein angeborenes Talent und lernt schnell. Auf dem Rückweg durch den Wald gibt Ernesto Nahuel bewusst die Chance ihm in den Rücken zu schießen. Es ist ein Test. Zwar zielt Nahuel zuerst auf seinen Vater, setzt dann die Waffe aber wieder ab. Danach verfliegt die Spannung, als hätten beide für sich eine Entscheidung getroffen.

Nahuel besucht häufiger die Kinder aus dem Ort. Es ist eine Umgebung, in der er sich frei ausleben und seine Grenzen testen kann.

Die Jagdsaison beginnt und Ernesto nimmt Nahuel mit. Durch die Geschichten der anderen Jäger in Ernestos Gruppe lernt Nahuel seinen Vater aus einer neuen Perspektive kennen. Langsam erkennt er seine eigenen Fähigkeiten in denen seines Vaters wieder. Schließlich begeben sich die beiden in die Tiefe des Waldes, noch immer auf Distanz, aber mit einem Interesse am Gegenüber.
Bautista taucht eines Tages unerwartet auf, um sich zu erkundigen, ob es Nahuel gut geht. Durch ihn erhält Nahuel die Möglichkeit, zurück nach Buenos Aires zu gehen. Nahuel ist verwirrt. Als er Bautista sieht, fühlt er, dass dieser ihn als seinen Sohn liebt und immer für ihn da sein wird. Trotzdem entschließt sich Nahuel, wie geplant bei seinem leiblichen Vater zu bleiben bis er 18 wird. Bautista kann das verstehen und kehrt zurück nach Buenos Aires.

Ernesto und Nahuel gehen auf einen letzten Jagdausflug. Nahuel hat nun mehr Selbstvertrauen und ist geschickter, doch noch hat er sich das Vertrauen seines Vaters nicht verdient. Er entscheidet, sich von der Gruppe zu trennen, um selber ein Reh zu erlegen. Er verirrt sich im Wald, findet aber zufällig seine Beute. Ein schwaches Reh, das seine Anwesenheit nicht bemerkt. Nahuel zielt geduldig, hält seinen Atem, wie es ihm beigebracht wurde und schießt. Der Klang hallt im Wald wieder. Das Tier ist schwer verwundet aber noch am Leben. Unfähig zu laufen, liegt das Reh am Boden und kreischt vor Schmerz. Der Klang ist unerträglich. Nahuel verfällt in Panik und versucht den Schaden wieder gutzumachen. Er drückt auf die Wunde und versucht die Blutung zu stoppen. Er ist verzweifelt. Ernesto findet ihn und rennt zu ihm, gefolgt von den anderen Jägern. Nachdem er sich vergewissert, dass es Nahuel gut geht, tötet er das Tier.

Auf dem Weg zurück zur Hütte beichtet Nahuel seinem Vater, dass er niemals wieder das fühlen wird, was er gegenüber seiner Mutter empfunden hat. Ernesto nickt leise. Er entschuldigt sich, als die Nacht über den Wald einfällt.

Früh am Morgen, noch bevor die Sonne die Hütte erreicht hat, geht Nahuel. Vater und Sohn nehmen Abschied voneinander...

Produzent:
Santiago Gallelli
Benjamin Domenech
Koproduzent:
Jonas Katzenstein
Maximilian Leo
Catharina Schreckenberg
Philippe Avril
Drehorte:
Patagonien
Drehbuch:
Natalia Garagiola
Regie:
Natalia Garagiola
Darsteller:
Lautaro Bettoni
Germán Palacios
Boy Olmi
Drehbuch:
Natalia Garagiola
Regie:
Natalia Garagiola
Darsteller:
Lautaro Bettoni
Germán Palacios
Boy Olmi
Kamera:
Fernando Lockett
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